Gütersloh, 14. Oktober 2019. Triathlon-Profi Tobias Drachler aus Köln ist bei seiner ersten Ironman-Weltmeisterschaft auf Hawaii nach 8:40:44 Stunden als 31. mit gemischten Gefühlen ins Ziel gekommen: „Das Radfahren war unterirdisch schlecht, der Rest in Ordnung und der Zieleinlauf trotzdem magisch!“ Der 28-Jährige hat seine persönliche Zielstellung zwar verpasst, zieht aber auch positive Erkenntnisse aus seinem Auftritt und blickt bereits motiviert auf die nächste Saison. Das Männer-Rennen gewann zum dritten Mal Olympiasieger Jan Frodeno mit einem neuen Streckenrekord, bei den Frauen komplettierte Anne Haug den deutschen Doppelerfolg.

Um 6:25 Uhr Ortszeit starteten die 57 Männer am Samstag in das Profi-Rennen über 3,86 Kilometer Schwimmen, 180,2 Kilometer Radfahren und den abschließenden Marathon. Beim Schwimmen ging Drachlers Plan auf, sich in der ersten Verfolgergruppe zu platzieren, unter anderem zusammen mit 2014-Weltmeister Sebastian Kienle. Nach 52:08 Minuten im sehr aufgewühlten Pazifik wechselten beide auf ihre Zeitfahrmaschinen. Ganz vorne stieg wie erwartet Josh Amberger aus dem Wasser, allerdings ohne den angepeilten Schwimmrekord und am Ende mit einem Finish auf Platz 33. Gleich dahinter ging Jan Frodeno auf das Rad und bestimmte das Rennen ab hier von vorne.

Beim Radfahren musste Drachler seine Gruppe sehr schnell ziehen lassen, die gewohnte Leistungsfähigkeit auf dem Rad wollte sich an diesem Tag einfach nicht einstellen: „Das Radfahren war unterirdisch schlecht! Ich habe im Schnitt 20 bis 30 Watt weniger getreten als meine Zielvorgabe – und dieses Ziel war eigentlich realistisch. Es hat an dem Tag auf dem Rad nicht sollen sein.“ Mit der Hypothek des schwachen Radsplits und einem Platz nur knapp innerhalb der Top-40 wechselte Drachler auf die Laufstrecke.

„Das anschließende Laufen war aus mentaler Sicht sehr stark“, beschreibt der Wahl- Kölner den weiteren Rennverlauf. „Nach einer Meile habe ich gedacht, irgendwann wirst du hier heute gehen und wenn du überhaupt das Ziel siehst, dann nach einem langen Wandertag.“ In der Folge fand er jedoch seinen Rhythmus, machte noch sieben Plätze gut und beendete die 42,2 Kilometer in 3:02 Stunden. „Der Zieleinlauf war geil, man wurde gefeiert, die Leute standen Spalier, das war so, wie ich es mir erträumt hatte. Definitiv ein magischer Moment.“

Vor den deutschen Gewinnern der Herren- und Frauen-Konkurrenz, Jan Frodeno und Anne Haug, zieht Drachler beeindruckt den Hut: „Anne hat sich nicht verrückt machen lassen und hat ihr Rennen gemacht – völlig verdient, ein super Rennen.“ Der große Favorit Frodeno holte sich neben dem Sieg auch in 7:51:13 Stunden den Streckenrekord auf Hawaii, den Patrick Lange erst 2018 aufgestellt hatte – für Drachler eine einmalige Leistung: „Diese  Leistung in dieser Manier so abzuliefern ist absolut bewundernswert. Eine Liga für sich. So eine Leistung wird man hier so schnell nicht wiedersehen.“

Mit der Weltmeisterschaft auf Hawaii ist auch die Saison für Drachler wie auch für die meisten Triathleten beendet, in den nächsten Wochen stehen Regeneration für Kopf und Körper auf dem Programm. Anschließend geht der Fokus schon wieder auf die nächste Saison – und auf 20 bis 30 Watt mehr auf der Radstrecke.

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