Profi-Triathlet Tobias Drachler befindet sich gerade in der Vorbereitung auf die neue Saison. Nach einem Jahr ohne richtigen Wettkampf freut er sich, dieses Jahr hoffentlich wieder an Wettkämpfen teilnehmen zu können. Was er sich für das aktuelle Jahr vornimmt, welches Fazit er gerne am Ende der Saison ziehen würde und welche Neuigkeiten es sonst noch gibt, erzählt er im Interview.

Hallo Tobias, bevor wir das letzte Jahr komplett abhaken und positiv in Richtung 2021blicken, was konntest du trotzdem aus 2020 mitnehmen?

Wie wichtig eine Haarschneidemaschine für den Sportler von heute sein kann und dass es Leute im Umfeld gibt, die diese gut bedienen können. Generell habe ich erfahren, wie wichtig ein sehr stabiles Umfeld in so einem Jahr mit wenigen bis gar keinen Rennen ist. Aber ich habe auch gelernt, wie wichtig es ist, Aufgaben und Interessen neben dem Sport zu haben, um sich einerseits anders zu beschäftigen und andererseits auch Bestätigung erfährt, welche über den Sport teilweise nur bedingt kommt. Ob das Hobbys sind, ob das berufliche Aufgaben sind oder ob das generelle Aufgaben sind, die man sich sucht oder schon hat. Wie sehr ich tatsächlich diesen Sport liebe, auch ohne Wettkämpfe, einfach die Herausforderung, sich ständig zu verbessern, nehme ich besonders aus 2020 mit. Das ist die wichtigste Erkenntnis. Natürlich ist es immer attraktiver, Zeugnisse in Form eines Wettkampfergebnisses zu bekommen oder die Leistung im Wettkampf zu zeigen. So sieht man, wer den Sport mit Leidenschaft betreibt und dranbleibt oder wer sich nicht mehr motivieren kann und scheitert, weil es nur um Wettkämpfe oder um Bestätigung in Form von Ergebnissen und Presse geht.

Beim Ironman denkt man nicht zuletzt auch wegen Hawaii an Sommer, Sonne, Sonnenschein. Macht dir das Training denn auch bei 3 Grad und Regen in Deutschland Spaß?

Triathlon ist meine Leidenschaft und macht mir auch bei den beschriebenen Temperaturen Spaß. Aber um ganz ehrlich zu sein, habe ich schon am liebsten 15 – 20 Grad Celsius.

Nun steht die neue Saison bevor. Wie weit kann man überhaupt schon planen und welche Wettkämpfe hast du geplant?

Eigentlich kann man nichts zuverlässig planen – in eine „Völlig-egal-Haltung“ sollte man allerdings auch nicht fallen. Für die eigene Motivation sind Ziele und kleine Zwischenziele wichtig. Gleichzeitig darf man sich nicht zu sehr versteifen und auf diesen Zielen verharren. Das Jahr wird uns sicherlich noch einiges abverlangen, was Absagen und Verschiebungen von Rennen angeht. Bei mir ist bisher die Ironman Europameisterschaft in Frankfurt fest eingeplant und natürlich der Wille, es wieder nach Hawaii zu schaffen.

Der Ironman auf Hawaii ist also wieder das große Ziel?

Ganz genau. Obwohl es 2019 völlig überraschend durch das erfolgreiche Rennen in Frankfurt quasi verfrüht für mich nach Hawaii ging, war danach zum großen Rennen ein wenig die Luft raus. Körperlich und mental habe ich gemerkt, dass ich trotz der großen Freude auf das Rennen und den Willen, es möglichst gut zu bestreiten, abgebaut habe. Ich habe mich nicht mehr so stark gefühlt, wie ich es an dem Tag gebraucht hätte. Sicherlich lag es auch daran, dass ich durch den unerwarteten Erfolg ein wenig überrollt war. Ich hatte den Anspruch an mich, diesen Erfolg unbedingt zu bestätigen und zu zeigen, dass Frankfurt keine Eintagsfliege oder Glück war. Ich habe also noch eine Rechnung offen – weniger mit dem Rennen, mehr mit meiner eigenen Leistung – dass ich es wesentlich besser kann, weiß ich. Besonders mir selbst, aber auch meinem großartigen Umfeld, welches mich auf dem Weg dorthin jeden Tag unterstützt, möchte ich das beweisen!

Im September findet in deiner Heimatstadt der Köln City Triathlon erstmals mit neuemVeranstalter statt. Freust du dich auf den Wettkampf und was können wir von dir auf derMitteldistanz erwarten?

Ich freue mich auf jeden Fall. Ein Wettkampf in der eigenen Stadt ist immer etwas Besonderes, aber gerade auf die Neu-Auflage bin ich gespannt. Da ich mit den Veranstaltern regelmäßig in Kontakt bin, weiß ich schon, dass man einiges erwarten darf. Was man von mir dagegen in derMitteldistanz erwarten kann, dass weiß ich selber noch nicht so genau, weil die Mitteldistanz eben nicht mein Format ist. Nichtsdestotrotz kann man aber auf jeden Fall erwarten, dass ich alles geben werde, um eine Platzierung auf dem Podium zu erzielen. Zu was es dann reicht, wird man am Ende sehen.

In welchen Bereichen möchtest du dich dieses Jahr am meisten verbessern? Wo liegt dein Fokus?

Grundsätzlich habe ich in der Vergangenheit gezeigt, dass ich an einem guten Tag, wie zum Beispiel in Frankfurt, in allen Disziplinen konkurrenzfähig bin. An einem nicht so guten Tag, wie zum Beispiel in Hawaii, konnte ich demgegenüber nur im Laufen wirklich dagegenhalten. Insgesamt mehr Stabilität, aber auch den nächsten Schritt in der sportlichen Entwicklung in allen drei Disziplinen nehme ich mir vor. Im Radfahren wieder auf die Leistungen zurückgreifen, die ich in der Vergangenheit schon oft gezeigt habe, um dann im Laufen meine Stärke auszuspielen und nicht wie in Hawaii nach dem Radfahren auf verlorenem Posten zu kämpfen, ist mein Ziel.

Du hast es schon angesprochen. Bevor das große Jahreshighlight mit Hawaii ansteht, muss man sich erst dafür qualifizieren. Wie steuerst du mit deinem Trainer die Belastung, dass du einerseits den Formhöhepunkt im Oktober hast, aber diesen auch schon in den Qualifizierungswettkämpfen erreichst?

Das ist eine schwierige Frage. Die Vorbereitung ist jedes Jahr ein bisschen unterschiedlich und davon abhängig, in welchem Rennen man sich für Hawaii qualifizieren möchte und kann. Nichtsdestotrotz geht es immer darum, sich auf ein möglichst frühes Rennen gut vorzubereiten, damit danach ein so genannter „Mid-Season-Break“ eingelegt werden kann. In dieser Pause wird das Training natürlich nicht komplett eingestellt, aber man nimmt deutlich an Trainingsumfängen raus und kann die Energie nicht nur körperlich, sondern auch mental wieder aufladen. Danach sollte man sich genug Zeit einräumen, um wieder hochzufahren. Auch wenn man seine Form natürlich nicht komplett wieder von vorne aufbauen muss. Man muss aufpassen, seine Energie und Motivation nicht zu früh in der Saison zu verbrennen, was natürlich auch davon abhängig ist, ob die Qualifikation auf Anhieb klappt. Ansonsten ist man gezwungen, an mehr Wettkämpfen teilzunehmen, als geplant. Diesen Spagat gilt es zu meistern. Ich kann nicht an vier oder fünf Ironmans in der Saison teilnehmen, um mich für Hawaii zu qualifizieren und um dort dann völlig ausgebrannt zu sein. Als Profi muss man sich immer hinterfragen, ob es darum geht, es nach Hawaii zu schaffen oder ob man dort dann auch auf Höchstleistung performen möchte.

Das Material spielt für Triathleten auch immer eine wichtige Rolle. Gibt es Veränderungen im Vergleich zum Vorjahr? Kannst du uns schon was verkünden?

Ja tatsächlich. Durch die Unterstützung von Achim Leufgen, den Besitzer des Rad Shops Racepoint Specialized Bike in Belgien, fahre ich dieses Jahr Specilized. Das ist eine große Veränderung, auf die ich mich riesig freue. Bislang habe ich Specialized nur aus der Ferne beobachtet und von anderen Athleten gehört, wie zufrieden sie mit den Rädern sind. Ich bin gespannt auf meine Eindrücke. Ein besonderer Dank an dieser Stelle deshalb an Achim Leufgen, der sich sehr für mich eingesetzt hat. Nicht vergessen in diesem Zusammenhang möchte ich aber auch meinen letztjährigen Partner Simplon, mit denen mir die Zusammenarbeit sehr viel Spaß gemacht hat. Ich wünsche Simplon weiterhin alles Gute und im Sport läuft man sich ja immer öfters über den Weg. Dann natürlich ABUS und Martin Böckelmann, mit denen wir die Zusammenarbeit dieses Jahr weiter intensivieren. Ich freue mich sehr, von einem der größten Helmhersteller ausgestattet zu werden und dort ein großes Vertrauen zu genießen. Generell möchte ich mich bei allen Partnern und Sponsoren, wie Northwave, Sailfish, HOKA One One und Xenofit bedanken, die mich in den aktuell schweren Zeiten weiterhin unterstützen. Das ist nicht selbstverständlich und das weiß ich sehr zu schätzen!

Zum Abschluss: Wenn wir uns im Dezember 2021 wieder treffen. Welches Fazit würdest du für die Saison dann gerne ziehen?

Ein Fazit, welches ich gerne ziehen würde, wäre, dass wir im Rahmen der Sicherheit für alle Beteiligten Wettkämpfe durchführen konnten, sodass man endlich mal wieder zeigen konnte, wofür man trainiert und wie gut man trainiert oder gearbeitet hat. Für den Leistungssport ist es wichtig, wieder eine Bühne zu bekommen, um auch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zu halten und unsere Sponsoren repräsentieren zu können. Aber, wie gesagt, immer unter den notwendigen Sicherheitsmaßnahmen. Das nicht nur für meinen Fall, sondern generell für die ganze Triathlon-Szene gesprochen. Da gehört auch zu, dass die zahlreichen Veranstaltungen unterstützt werden, damit auch in den nächsten Jahren weiterhin so tolle Wettkämpfe möglich sind. Das wünsche ich mir für das Jahr!

Das wünschen wir uns ebenfalls. Tobias, vielen Dank für deine Zeit!

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